MICHAEL ARENS' SOUL TRAIN

 

 

 

 

 

 ««« BACK TO THE SOUL TRAIN

 

 

Michael Arens' SOUL TRAIN - Germany's Soul Music-Magazine Nr.1! (www.soultrainonline.de)

 

 

 

MICHAEL ARENS' SOUL TRAIN - Your monthly Mag for Soul, Funk, RnB, Smooth Jazz & Urban Grooves

 

CD-BESPRECHUNGEN / CD-REVIEWS

 

 

 

 

 

 

CD-BESPRECHUNGEN / CD-REVIEWS

 

 

 

 

SWR Big Band & Paula Morelenbaum - Bossarenova (Skip Records/Soulfood Music)

Zugegeben – die Idee ist alles andere als neu. Und trotzdem oder sogar gerade deswegen ist eine einfache Idee meistens auch eine geniale. Dass die ohnehin nahezu perfekt agierende SWR Big Band unter ihrem Dirigenten Ralf Schmid die Aufgabe, die großen Brasilianischen Bossa Nova-Klassiker neu aufzulegen, mit Bravur und Nachdruck erfüllen würde, war vorherzusehen. Dass aber auch Paula Morelenbaum, die “Stimme“ von Bossa Nova-Übervater Antonio Carlos Jobim, ihren (Gesangs-)Part derart stimmig und authentisch einbringt, stimmt zufrieden und friedlich zugleich. Der Bossa Nova, gerade 50 Jahre jung, klang selten so voluminös, zugleich zurückhaltend intim wie hier – die Grätsche zwischen dem originären sparsamen Anspruch des Bossa Nova und der Umsetzung desselben von einer Big Band wird hier zum Glücksfall. Und dass die insgesamt 14 Titel gleich mit meinem ewigen Favoriten, “Aguas de Marco“, beginnt, schadet auch nicht gerade in meiner Bewertung dieser herausragenden Platte. Das hohe Niveau des Openers wird bis zum Ende gehalten. “Bossarenbova“ – ein Album das auch den kältesten Herbst zum Sommerabend in der Hängematte veredelt.

UP

 

 

 

 

 

Wolfgang Haffner - Round Silence (ACT Music/edel kultur)

Schlagzeuger Wolfgang Haffner gehört ohne wenn und aber zur Elite der deutschen Jazzlandschaft (der SOUL TRAIN berichtete).  Mit seinem Trio, dass neben ihm selbst von der spielerischen Perfektion des schwedischen Bassisten Lars Danielsson und des Kölner Pianisten Hubert Nuss lebt, folgt nun der der dritte Teil der inoffiziellen Trilogie der ruhigeren Töne, sofern diese überhaupt existiert. Dass hochkarätige Gäste wie Sebastian Studnitzky, Kim Sanders (deren sensibel eingesetzte Stimme dem Werk noch einmal atmosphärische Dichte verleiht), Dominic Miller, Nils Landgren oder Chuck Loeb (der SOUL TRAIN berichtete) sich in den elf Titeln von “Round Silence“ die Klinke in die Hand geben, überrascht kaum, trägt aber ungemein zum internationalen Albumgefühl bei. Überschläglich setzt “Haffners Neues“ auf die leisen Töne mit Tiefgang und emotionalem Zentrum aus Jazz und Melancholie. Dabei war es ihm wichtig, ohne Aufdringlichkeit oder allzu große Improvisationsverliebtheit gradlinig zu agieren und  eine Atmosphäre zu schaffen, die im Presseinfo nicht grundlos “intim“ genannt wird. “Round Silence“ – ein leises Werk mit durchdringender Wirkung.

UP

 

Jobarteh Kunda - Aha ! (Aimland Records/Rough Trade)

Auf ihrem mittlerweile dritten Album beweisen Jobarteh Kunda, wie einzigartig ihr eigentümlicher, aber sehr leicht zugänglicher Mix aus Reggae, traditionellen afrikanischen und karibischen Rhythmen aus High Life und Manding (auch Mandingo genannt) und Elementen aus Jazz und Pop ist. Die 12 Titel von “Aha!“ sind dabei so eingängig wie der Albumtitel und versprühen eine Frische, die man gerade in einem Weltmusik-Zusammenhang selten findet. Wahrhaftigkeit bekommt hier seine ganz eigene Bedeutung. Dabei wechseln Jobarteh Kunda gekonnt die Tempi, ohne den roten Faden aus den Augen zu verlieren – eine Abenteuerreise durch den afrikanischen und amerikanischen Musikkontinent ohne den Fokus auf das Ziel – einfach gute Musik, die Spaß machen soll – zu verlieren. Eine Zielsichere Angelegenheit. Ein dickes Booklet mit allen (mehrsprachigen) Songtexten und diversen Abbildungen runden das kompakte Bild flüssig ab. Aha!

UP

 

 

Dizzee Rascal - Tongue N’ Cheek (Dirtee Stank Recordings/Universal Music)

Dizzee Rascal bringt mit “Tongue N’ Cheek” bereits sein viertes Album auf den Markt. Seine rotzige, seinesgleichen suchende Einzigartigkeit hat sich Dizzee zwar auch hier bewahrt, allerdings geht es auch keinen klaren Entwicklungsmäßigen Schritt nach vorne. Klar sind die Beats super-innovativ, die Raps wie immer punktgenau, die Texte krank und verwirrend. Aber ich kann mir nicht helfen, ich habe allzu oft ein Deja-Vu-Gefühl. Und klar sind da Stücke wie die immens erfolgreiche Single “Dance Wiv Me“, die tausende Augenbrauen in die Höhe schießen ließ. Und das ganze Ding strotz mit seinen elf Titeln vor Dizzee-esquen, wie üblich teils hart am erträglichen,  Einfällen und richtig versauten Lyrics, aber leider erwartet man in dieser Welt immer neue Steigerungen. Was irgendwie schade ist. Aber wie gesagt, auch ich ertappe mich bei diesem unberechtigten Kritikversuch, der die Einzigartigkeit von Dizzee Rascal, Englands innovativstem Hip Hop-Export, untergraben soll. Das Fazit muss also, Deja Vu hin oder her, lauten: mal wieder ein Volltreffer. Oder?!

UP

 

 

On The Offshore - You Have Not, You’ve Never Been (Schaf Records/Neo/Sony)

Die Musik von On The Offshore ist so widersprüchlich wie ihr Bandname. Denn Lucy Pereira (Vocals), Girisha Fernando (Bass), Bennie Rademann (Gitarre), Kilian Bühler (Schlagzeug) und Beatbastler Deniz Khan machen eine Art Singer/Songwriter-Lyrik über elektronischen Beats gepaart mit einer mitreißenden Portion Soul, Pop und Jazz. Das hat was von Nylon oder Mia (der SOUL TRAIN berichtete von beiden Projekten), aber auch von Dani Siciliano, Roisin Murphy (der Vergleich scheint mir, während ich diese Zeilen schreibe, noch am nachvollziehbarsten) oder Beth Rowley (der SOUL TRAIN berichtete ebenfalls). Die Tempi sind abwechslungsreich und unterstreichen den besonderen, den nahezu einzigartigen Stil der Formation. Die Art und Weise, wie Frontfrau Lucy Pereira mit ihrer bewusst kindlich gehaltenen Kopfstimme die in Augsburg von Girisha Fernando produzierten 12 Stücke phrasiert und bebildert, ist schon was Besonderes. Allerdings belegt das auch nachdrücklich, dass wir es hier mit einem Album zu tun haben, mit dem man sich beschäftigen muss, um es in voller Blüte zu erleben.

UP

 

No Angels - Welcome To The Dance (Polydor/Universal Music)

Nichts Neues an der Engelsfront. Ihr neues Album nach ihrer Wiedervereinigung vor zwei Jahren setzt die Erfolgsspur da fort, wo No Angels-Fans es gewohnt sind. Popsoul, der Charttauglich ist, aber durch gerade genug Anspruch Teenies ebenso wie jene zufrieden stellt, die wie ich was übrig haben für glatt gebügelten Soulpop. Besonders, wenn er von Frauen gesungen wird. Eine für mich fast unwiderstehliche Mischung. So halten sich die Beats der 14 Titel zwischen Underground-Gefühl und Chartpop herrlich plastisch, was ich hier zwingend als Kompliment verstanden haben will. Das Booklet offeriert alle Songtexte und lässt in den Infos und Credits zum Songmaterial erahnen, dass hier die Musik entgegen aller “erwachsenen“ Vorurteile und Erwartungen durchaus durchdacht wurde. Und so hört man dem überwiegenden Teil der Produktionen, die durchweg solide Professionalität an. Tatsächlich überwiegt oft die Qualität der Musik selbst die Sangesqualitäten der Engel. Sei’s drum. Mir macht “Welcome To The Dance“ Spaß.

UP

 

Mil Santos - El Creo EP (Dreaminc Entertainment/R.D.S./Soulfood Music)

Mil Santos heißt eigentlich Mauro und ist ein in Berlin lebender Musiker und Sänger mit Wurzeln in Kolumbien. So überrascht es nicht, dass sein Album in Spanisch und Deutsch (sowie ein wenig Englisch) beide kulturellen Ebenen aufgreift. Der Mix der vier Track kurzen EP besteht aus Latino Hip Hop, aus Deutschrap-Elementen, aber auch aus folkloristische Anteilen seiner südamerikanischen Heimat. Dabei kommt es Mil Santos darauf an, Geschichten zu erzählen, was bei allen vier Titeln, “El Caminto“, “Familia“, “El Diluvio“ und “Razon del Corazon“ trotz meines sehr rostigen Spanisch schnell offenkundig wird. Die Musik selbst ist, typisch Latin, vermeintlich federleicht eingespielt und brummt an der Spaßfront. Die Vermischung mit Deutschrap-Elementen gibt dem teils sehr fett produzierten Mix einen unwiderstehlichen Spin, der die EP zu einem verheißungsvollen Einstand  Mauros in die Album-Welt bringt. Man darf gespannt auf weitere Projekte sein.

UP

 

Oumou Sangare - Seya (World Circuit Music/Indigo)

Das Album ist alles andere als neu, was mich trotzdem nicht davon abhalten kann, hier ein gutes Wort über die Energie und den Zauber Oumou Sangares zu verlieren. Sangare ist neben Salif Keita heute die prominenteste Sängerin Malis und seiner Hauptstadt Bamako, der heimlichen Musikhauptstadt Afrikas, vielleicht sogar der Welt. Obwohl sich Sangare hier einmal mehr ihrem Markenzeichen, der Wassoulou-Musik, hingibt, sind es die oft funkigeren, stets knusprig und knackig-frisch klingenden Sounds zwischen Afro, Soul und Funk, die dem Werk mit seinen elf Titeln erst richtigen Biss verleihen. Dass Tiefgang einen gehörigen Unterhaltungswert nicht ausschließt, ist auch Oumou Sangara bewusst, die ihr Album nicht umsonst “Seya“ – “Freude“ benannte. Für Freunde Sangaras und Musikidentifikation á la Mali ist das Album ein dringendes Muss. Für Einsteiger in den Bereich eine tiefgehende, zugleich recht einfache Gelegenheit. Ein Sonnendurchflutetes Album, das neben der Musik mit einem liebevollen Äußeren und allen Songtexten im Booklet verwöhnt.

UP

Riserva Moac - La Musica Dei Popoli (Bayla Records/Galileo MC)

World Rock nennt sich der Musikmix von Riserva Moac Neudeutsch. Die sieben Bandmitglieder aus Mittelitalien spielen mit Folklore und Rock dabei ebenso wie mit Ska oder Rock, was die 13 Titel sehr sympathisch macht. Für unsere Ohren ist die Mixtur natürlich auch neu. Und alles Neue sollte man mit offenem Herzen und offenen Ohren begrüßen. Was natürlich auch heißt, dass es durchaus normal sein kann, sich erst einmal warm zu hören. Denn die Musik von “La Musica Dei Popoli“ ist eigenwillig, geht dabei konkret nach vorne und setzt auch das Fußwippen auf die Tagesordnung. Das von der Band in Eigenregie produzierte Werk punktet ebenfalls mit dem ansprechend gestalteten Äußeren, dem umfangreichen Booklet mit allen Songtexten (sofern man denn des Italienischen mächtig ist) sowie einer handvoll faszinierenden Illustrationen. Mehr Infos zu Riserva Moac gibt es hier: www.riservamoac.com!

UP

 

Judy Bailey - Surrounded-Judy Bailey Live (Gerth Medien)

Judy Bailey, eine der größeren Namen im weiten Feld der christlichen Musik (der SOUL TRAIN berichtete), ist für ihre mitreissenden Live-Auftritte mehr als bekannt. Die Wiederveröffentlichung dieses Konzertmitschnittes aus 2006 zeigt das mit Nachdruck. 14 Titel lang singt und spielt sich Sängerin und Gitarristin Bailey durch Songs wie “Inspired To Serve“, “My God Knows“ oder dem “So Far So Good-Medley“. Dabei konzentriert sich ihre Musik selbstbewusst auf die einzigartige Energie, die sie auf die Bühne bringt, ohne dabei allzu bedeutungsschwanger zu wirken. Für Fans Baileys, die auch mit Elementen aus Afro und Jazz, aber auch aus Rock und Pop liebäugelt, ein unbedingtes Muss. Für Neueinsteiger besonders aufgrund der unaufdringlichen Attitüde Baileys und ihrer natürlichen Bühnenpräsenz, ihrer Energie, ein lohnenswerter Griff ins CD-Regal des Plattenladens des Vertrauens.

UP

 

 

Raekwon - Only Built 4 Cuban Linx II (RSK Entertainment/Ice H20 Records/Soulfood Music)

Als eines der Gründungsmitglieder des legendären Wu-Tang Clan gilt Raekwon (auch Raekwon The Chef) neben RZA, GZA, Method Man, Ghostface Killah und dem unvergessenen Ol’ Dirty Bastard zum prominentesten Mitglied des Clans. Sein erstes, 1995er Soloalbum “Only Built 4 Cuban Linx“ gehört bis heute zur Top 100 der innovativsten und auch erfolgreichsten Hip Hop-Alben überhaupt. Dass nun, 14 Jahre später, die Fortsetzung folgt, erstaunt nur kurz, denn das Album, der zweite Teil, erzählt einmal mehr eine epische Geschichte. Neben den üblichen Intros, Outros und Szenen diverser Filmgeschichtlicher Abrisse aus Blaxploitation, Kung Fu und Krabbelkiste sind es die Features, die hier den Status von Raekwon ins rechte Licht rücken. Pete Rock und der fast vergessene Marley Marl, einst der erfolgreichste und innovativste Hip Hop-Produzent überhaupt, sind dabei, oder aber Erick Sermon, die eine Hälfte des bis heute erfolgreichsten Hip Hop-Duos überhaupt, EPMD. Die Mathematics oder Wu-Tang-Killa Bee RZA sind ebenfalls im Fahrwasser der zweiten Cuban Linx-Verbindung. Wie immer sollte man auf den so typischen Wu-Tang-epischen Stil stehen, um das neue Raekwon-Ding vollends zu mögen. Deshalb werden sich an diesem Album einmal mehr die Geister scheiden. Und ob der zweite Teil, ähnlich dem zweiten Teil von “Der Pate“, um in die Wu-Tang-Film-Parallelwelt einzutauchen, der Bessere ist, sollte jeder für sich selbst entscheiden. Wie so oft werden es die Wu-Vibes zwischen der Musik sein, die diese Entscheidung beeinflussen dürften.

UP

 

Various - Jay Haze-Fabriclive 47: Toddla T (Fabric Records/Rough Trade)

Starker Tobak, das. Einmal mehr wird die neueste Fabriclive-Folge zur kleinen Hausaufgabe. Stilistisch irgendwo zwischen Electronica, Techno und experimenteller Instrumentalmusik angesiedelt, war es diesmal an dem erst 24jährigen, aus Sheffield stammenden DJ Toddla T, die 20 Titel währende Brut im Zaum zu halten. Übrigens bin ich nicht der einzige, der einer sinnigen Beschreibung der Musik auf Folge 47 der Fabriclive-Tradition hinterherläuft. Die Beschreibungen der hier präsentierten Musik in der Presseinfo pendeln zwischen “Beats“ und “Electro Dancehall“ über “Bristol Jump-Up Drum“ zu “Dubstep“. Ein Versuch freilich. Die Tracks von Fuckpony, Jay Haze, Alex Celler, Lump featuring Yah Meek, The Last Poets oder Johnny Fiasco, um nur einige ganz wenige zu nennen, bleiben Bausteine des Gesamtkunstwerkes, dass man, alleine schon wegen dem Mixtape-Charakters des Albums, durchaus in einem Stück hören sollte. Auch, wenn es über lange Strecken anstrengend sein kann, dem Sammelsurium aus schnellen, flüchtigen oder hypnotischen Beats zu folgen. Immerhin - das Album ist haptisch ein Hochgenuss, kommt in einer Anspruchvollen Metallbox und offeriert gleich zwei Cover-Varianten (einmal für die Box, einmal für die CD als solches). Auch für die 47. Folge der renommierten und immens erfolgreichen Fabriclive-Reihe gilt: einmal mehr ein forderndes Beat-Dokument zeitgenössischer Manufaktur.

UP

 

Terri Brinegar - Having The Time Of My Life (Terri Brinegar)

Terri Brinegar kommt aus Nashville, Tennessee, noch immer eines der Zentren zeitgenössischer Nordamerikanischer Musik. Auch, wenn Terri weitestgehend als Smooth Jazz-Künstlerin gehandelt wird, sind es zugleich doch auch besagte zeitgenössische amerikanische Mainstream-Pop-Elemente, die ihr Selbstvertriebenes Album (in den einschlägigen Portalen wie www.cdbaby.com usw. zu beziehen) ausmachen. Die Musik der elf Titel ruht im Wesentlichen auf ihrer durchdringenden, nach vorne gehenden Stimme, die der Musik das Fundament, zugleich aber auch die vorsichtige Verwandtschaft zu Stilen wie Country, Rock und Pop verleiht. Die Stücke wurden durchweg von ihr selbst geschrieben, produziert und interpretiert, was Terris Talent nachdrücklich bebildert. Hier und da scheint sogar etwas Soul durch die durchweg positiven, sonnendurchfluteten Stücke, wie etwa bei den Backing Vocals zu “Little Things“. Der Phrasierung und der Verwendung  ihrer Stimme ist es im Wesentlichen zuzuschreiben, dass die Musik, die dann doch dem Smooth Jazz am nächsten steht, immer mal wieder Genregrenzen einreißt und dadurch einen Spin bekommt, der angenehm eigenständig ist. Fazit: “Having The Time Of My Life“ überzeugt besonders damit, dass es die Grenzen zwischen Smooth Jazz, Mainstream Pop und Country ignoriert und zu einem überaus melodischen und harmonischen Reigen vereint. Ungewöhnlich, aber auch schön.

UP

 

Samuel Harfst - Day And Night Recordings (Raketen Records/Gerth Medien)

Wenn es an christliche Musik geht, spalten sich schnell die Lager. Setzt man sich jedoch über die inhaltliche Diskussion hinweg, steht zunächst mal die Musik für sich. Und an der gibt es auf “Day And Night Recordings“ nichts zu rütteln. Sänger und Gitarrist Samuel Harfst, Cellist Dominik Schweiger, Bassist und Pianist Dirk Menger sowie Percussionist David Harfst schaffen den Spagat, inhaltlich zwiespältige Musik von Anfang an mit Atmosphäre und spielerischer Dichte zu versehen. Der Parcours aus Singer/Songwriter und massentauglichem Pop wirkt oft federleicht und führt am Ende dann doch wieder zum christlichen Inhalt, der Harfsts Glauben als Ganzes unterstreicht – die Songtexte im Booklet unterstreichen das. Für Freunde christlich orientierter Pop-Musik ein Pflichtalbum, für Freunde von sauberer Pop-Musik mit Hang zu sensiblen Balladen ein möglicher Versuch der Versöhnung mit dem oft missverstandenem Subgenre christliche Popmusik.

UP

 

The Very Best - Warm Heart Of Africa (Moshi Moshi/Cooperative Music/Universal Music)

The Very Best ist der Doppeldeutige Name eines Duos bestehend aus dem aus Malawi stammenden Sänger Esau Mwamwaya und dem DJ und Produzenten Radioclit (er nennt sich wirklich so). Nachdem sie im letzten Jahr mit einem Mixtape, “Esau Mwamwaya and Radioclit Are The Very Best“, einen Überraschungserfolg verzeichnen können, ließ es sich das Duo nicht nehmen, ein komplettes, eigenes Studioalbum nachzulegen. Der 13 Songs währende Mix aus Stilblüten afrikanischer Musik, Technoiden Beats, elektronischem Musikverständnis und einem Faible für Überraschungen ist dabei eigenwillig und charmant zugleich. Denn die Zwei verstehen es, afrikanische Afro-Beat-Traditionen mit Achtziger Jahre-Beats so lange zu vermengen, bis ein praktisch eigenständiger Stil herauskommt - The Very Best eben. Zugegeben - das dürfte nicht Jedermanns Sache sein. Aber das sollte Musik ja sowieso nie. Oder sie ist tot. Und das soll und darf mit The Very Best, so eigenwillig das Projekt auch ist, nicht passieren.

UP

 

 

Shareholder Tom - Emotional Value (Soulplex Recordings/Groove Attack)

Shareholder Tom ist ein Musikprojekt von Thomas Berghaus, einem Kölner Produzenten und Multiinstrumentalisten. Neben der Tatsache, dass das Album eine ganze reihe Subgenres der großen Black Music-Familie wie Soul, Funk, Hip Hop, Latin, Reggae und Afro vereint, ist es das herausragende Verdienst des Albums, dass die meisten seiner Musiker in Deutschland leben. Und doch sind es gerade die Features, die das Salz in der Groove-Suppe machen: das wäre zum einen Travis Blaque, selbst Ikone zwischen Beats und Boogaloo, oder Aiff (Afro Influenced Funk Federation), deren Mitglieder erst kürzlich im Zuge unseres Interviews mit Laura Vane & The Vipertones (...weiter lesen›››) sowie unserem Interview mit The Soul Snatchers im letzten Jahr (...weiter lesen›››) auf sich aufmerksam machten. “Emotional Value“ hat eben insbesondere genau das, denn auf logischem Niveau dürfte die Mixtur aus der Welt des Grooves nicht immer auf fruchtbaren Boden fallen. Auf emotionalem Level kommen wir hier allerdings in den Genuss eines Soul-verliebten atmosphärisch dichten Flickenteppichs, den es so noch nicht gab. Ein Album, das man mit jedem Hören neu erleben kann und soll.

UP

 

 

Demis Roussos - Demis (Discograph/Alive)

Jeder, der wie ich in den Siebziger Jahren groß wurde, hat eine natürliche, fast angeborene Abneigung gegen Demis Roussos. Auch, wenn das alles andere als fair ist. Denn Demis Roussos war immer derjenige, der, Rauschebart-veredelt, in der Hitparade oder einer anderen Sinnentleerten Schlager- und/oder Volksmusik-Sendung in einem wallenden Kleidersack mit schmachtender Stimme schlechte Schlager in einer Handvoll Sprachen dahinsülzte. Da half es auch nichts, dass ich dann später aufgeklärt wurde, dass Roussos einer der innovativsten und inspirierendsten Musiker überhaupt ist und war, und seine Progressive Rock-Band Aphrodite’s Child seinerzeit (späte Sechziger Jahre) eine Offenbarung war, die nicht nur ihm, sondern auch seinem Mitstreiter Evangelos Odysseus Papathanassiou, besser als Vangelis bekannt, Weltruhm einbrachte. Mittlerweile weiß ich selbstverständlich, dass Roussos seit jenen Tagen vor 40 Jahren so ziemlich alle Musikrichtungen, die die Welt zu bieten hat, von Pop zu Rock über Schlager, Folklore, Jazz, Experimenteller Musik und sogar Soul, an irgendeinem Punkt seiner immens erfolgreichen Karriere bearbeitet hat. Nun gibt es also ein neues Album des in Ägypten geborenen Schwergewichts. Seine zeitweise enorme Leibesfülle gehörte zu seinen Schlagerzeiten in den Siebzigern zu seinem Aushängeschild und war Markenzeichen  von Artemios Ventouris Roussos, wie Demis Roussos mit vollem Namen heißt. Und um es vorwegzunehmen: auch hier sind die Ereignisse, die musikalischen Ereignisse eigentlich eher als unvorhersehbar einzustufen. Produzent Marc di Domenico, der bereits die Karriere von Henri Salvador wieder ankurbeln konnte, stellt Roussos in ein Licht aus Rock und Sechziger Jahre-Beat-Anleihe (was in einigen Momenten nach den Beatles klingt), was Roussos Stimme irgendwie zuarbeitet. Denn diese ist auch nach so vielen Jahren noch Hochkarätig und genießt sowieso den Wert der Wiedererkennung, selbst mit verbunden Augen bzw. Ohren. Ob das Werk es nun Wert ist? Unmöglich zu sagen. Soviel sei verraten: mehrmaliges Hören ist hier Pflichtfach. Und dann taucht da doch immer wieder dieses verflixte Bild vor meinem geistigen Auge auf, von dem großen Mann mit Rauschebart und wallendem Gewand, der, unserer Vorstellung eines griechischen Göttervaters nicht unähnlich, als Gast die mit Bembeln geschmückte Bühne von “Zum Blauen Bock“ am Sonntag Abend ziert. Und das irritiert…

UP

 

Basement Jaxx - Scars (XL Recordings/Beggars Group/Indigo)

Was vor fast zehn Jahren als eine der innovativsten Band um das damals neu erwachsende Elektronik-Genre begann, ist mit diesem, ihrem fünften Album, in der Gegenwart angekommen. Natürlich konnte man sich als Kopf des Muttergenres Electronica nicht auf den Lorbeeren ausruhen. So klingt die Musik von Simon Ratcliffe und Felix Buxton heute weitestgehend experimentell, denn eine Abgrenzung zur Masse der elektronischen Musik-Acts sollte strikt eingehalten werden. Elemente aus Reggae und Aggro-Tech á la The Prodigy sind ebenso am Start wie Gitarren-Riffs oder wehmütige New Wave-Gefühle. Sogar volumninöse Streicherpassagen und pseudo-bombastische Gitarrenpop-Liebeleien unterstreichen die ständig mitschwingende Individualität von Basement Jaxx und ihrem neuen Album. Aber bei aller Innovation - so richtig warm kann ich mit dem manchmal etwas zu kruden Mischmasch nicht werden.

UP

 

Engstfeld/Weiss-Quartett - Back To Ballads (Engstfeld/Weiss-Quartett/Jazzsick Records)

Saxofonist Wolfgang Engstfeld und Schlagzeuger Peter Weiss bilden den Kern des Quartetts, das durch Pianist Hendrik Soll und Bassist Christian Ramond ergänzt wird. Dem Quartett liegt dabei offenkundig am Zusammenspiel, und an der originären Definition des Wortes Quartett. Improvisatorische Entgleisungen einzelner Musiker, überschwängliche Soli, um herauszuspielen, wer im Viererbund die Nase vorn hat, sucht man auf “Back To Ballads“ vergebens. Der Sound ist geschlossen, fast ehrwürdig. Sogar ein wenig bewusste Behäbigkeit keimt auf, allerdings nur, um den Fluss der Musik, der Balladenmusik, zu unterstreichen. In der Presseinfo wird von “gefühlvollen Interpretationen“ gesprochen, “ohne dabei ins kitschige abzugleiten“. Ich könnte es kaum treffender formulieren. Dass das Quartett nun schon viele Jahre zusammen spielt, darunter auf Tourneen durch Japan oder Russland, hört man dem Album durchweg an. Denn Atmosphäre ist hier das allgegenwärtige Gefühl, das den elf Titeln eine Menge Kraft aber auch Besonnenheit verleiht, welche die Balladen von Mingus, Gershwin, Ellington, Mancini oder, einer meiner ewigen Favoriten in Sachen Filmmusik-Komponisten, Michel Legrand, erst richtig Rundlaufen lässt. Ein stimmiges, äußerst gelungenes Kleinod der feineren Töne.

UP

 

 

All Standard Guitars - Just Guitars? (Altrisuoni/DA-Music)

Ob es ein schlauer oder ein plumper Schachzug war, das Album mit dem “Pate“-Thema von Nino Rota beginnen zu lassen, stelle ich hier zur Diskussion. Jedenfalls erfüllt dieses “Speak Softly Love“ des Gitarrenduos Werner Fischer und Michael Giger den Zweck der vorsichtigen Einführung in die Musik des All Standard Guitars-Duos. Ihre Bearbeitung der mehr oder weniger populären Klassiker der Jazz- aber auch Pop-Geschichte von John Scofields “Wabash III“ über Pat Methenys “Travels“ bis zu George Harrisons unverwüstlichen und immer wieder magischen “Here Comes The Sun“, um nur einige der elf Songs zu nennen, lässt sich nur als ruhig, dem Fluss der Musik angepasst zu nennen. Die zwei Stücke, bei denen Estella Beneditti als Gastsängerin das Album mit der gerade richtigen Portion Bewegung umhüllt (“Angel Eyes“ und “How High The Moon“), sind bewusst karg in das Gesamtbild von “Just Guitars?“ gestreut, sodass die vorsichtige Spielweise des Duos an keiner Stelle aufgewühlt bzw. aufgebrochen wird. Stilistisch bewegen wir uns hier nur selten aus den Jazz-Gitarrenklängen der ruhigeren Art weg, obwohl die eigentlichen Songs, die sich Fischer und Giger für ihr Werk ausgesucht haben, aus Blues, aus Jazz und aus Pop gleichermaßen stammen. Ein entspannter Kurztrip durch die nicht allzu überraschende Welt des Schweizer Gitarrenduos All Standard Guitars.

UP

 

 

Addie Brik - Strike The Tent (Itza Music/Rough Trade)

Wenn ich die Musik auf “Strike The Tent” mit der Musik anderer Künstler beschreiben müsste, würde das folgendermaßen aussehen: eine irgendwie intellektuelle Mixtur aus Sally Oldfield, Kate Bush, India.Arie, Cyndi Lauper und Enya. Ja, das trifft es, glaube ich, sehr präzise. Die 12 Titel von “Strike The Tent“ leben zum einen von Briks Stimme, die hier einen wichtigen Teil der Mystik des Albums beisteuert. Zum anderen finden wir Staubtrockene Beats ebenso wie folkloristische Ausflüge in, beispielsweise, irische Soundlandschaften oder aber verspielte Anleihen bei klassischen Soundtrack-Gefühlen. Der Albumname, “Strike The Tent“, stammt übrigens von Südstaatengeneral Robert E. Lee – es waren seine letzten Worte, die, bedeutungsschwanger (in etwa: “Baut das Zelt ab“) eine Inspiration für die Amerikanerin Addie Brik waren und vielleicht sogar eine Hinweis auf inhaltliche Brücken und Tücken ihres Albums sein kann. Am Ende des Albums ist jedenfalls klar, dass ich eine solche CD nicht besprechen kann, ohne es mindestens ein zweites mal zu hören. Also von vorne das Ganze. Kunst muss auch Fragen stellen…

UP

 

Rue de Paris - Trois (Intuition/Sunny Moon)

Gitarrist Rue Protzer vervollständigt mit der dritten CD seiner Band Rue de Paris, “Trois“, die Trilogie, die ihn seit dem 2006er Album “Quiet Motion“ über das ein Jahr später erschienene “New York Slow“ beschäftigt und Fans von atmosphärisch dichtem, ruhigerem Jazz mit der Zunge schnalzen lässt. Einmal mehr sind Schlagzeuger Adam Nussbaum und Bassist Marc Johnson mit von der beseelten, trotzdem immer wieder bewusst unruhigen Partie. Nachdem der aus Stuttgart stammende Protzer mit dem letzten Album New York ein Denkmal setzte, dreht sich dieses mal alles um die Stadt der Liebe, Paris. Selbstredend darf da natürlich ein Stück von Serge Gainsbourg nicht fehlen: auf “La Javanaise“ fiel hier die Wahl, das von Cecile Verny herrlich einfühlsam, dabei mit der notwendigen Portion Unterkühltheit, interpretiert wird. Dass das Werk in Den Haag aufgenommen wurde, unterstreicht den Songübergreifenden, europäischen Anstrich, den man dem Werk anmerkt. Ein Merkmal übrigens, dass sich besonders in den letzten Jahren immer häufiger gerade im Jazz findet. Europa wächst zusammen. Im Jazz jedenfalls immer schneller. Zwei Titel aus der Feder des schmerzlich vermissten Charlie Mariano gibt es obendrauf und runden die zehn Titel des lobenswerten, Spielverliebten aber nie unkontrollierten Werkes ab. Rue Protzer hat auch den dritten Teil seiner, nennen wir es einmal so, Städte-Trilogie, mit Bravur produziert.

UP

 

 

Manfred Junker - Alone (Solo Guitar) (Factory Outlet Records)

Verträumt und unaufdringlich, fast ein wenig einlullend kommt Manfred Junkers Solo-Album daher. Der Name der zehn Titel währenden Kollektion aus Eigenkompositionen und Klassikern wie Carole Kings “You’ve Got A Friend“, Stings “It’s Probably Me“ oder Kurt Weills “My Ship“ bis zu John Mayers “Daughters“ kommt dabei nicht von Ungefähr. Denn Junker spielte, in diversen Quartett- und Duo-Besetzungen, bereits bei sieben CDs eine tragende Rolle. Der 1969 geborene Gitarrenvirtuose ist bei seinem neuen, ersten Solo-Album den Pfad der Harmonie und des Melodie gegangen, klingt dabei qualitativ jedoch jedem “freigeistlichen“ Jazzer ebenbürtig. Für meinen Geschmack hätte es hier und da etwas mehr Tempo sein dürfen. Bedenkt man allerdings, dass es sich hier tatsächlich nur (und noch einmal spricht der Albumtitel Bände) um Junker und seine Gitarre handelt, gelingt ihm die Begehung des schmalen Grats zwischen Improvisation und Feingefühl sehr gradlinig. Die von Manfred Junker selbst produzierten Songs werden im Booklet von ihm selbst gleich in Deutsch und Englisch erläutert, und helfen, den Gesamtkontext des Werkes sinnvoll nachzuvollziehen. Ein leises Werk, mit einigen wenigen, kleinen, magischen Momenten und einem zurückhaltend spielenden, dabei zart beflügelen, virtuosen Manfred Junker.

UP

 
 

 

UP
 

 

Alle Rezensionen/All reviews © Michael Arens

 

 
 

 

 

 

 

UP

MICHAEL ARENS' SOUL TRAIN - Your monthly Mag for Soul, Funk, RnB, Smooth Jazz & Urban Grooves

 

Advertise in the SOUL TRAIN! Email to: soul@michaelarens.de!