MICHAEL ARENS' SOUL TRAIN

 

 

 

 

 

 ««« BACK TO THE SOUL TRAIN

 

 

Michael Arens' SOUL TRAIN - Germany's Soul Music-Magazine Nr.1! (www.soultrainonline.de)

 

 

 

MICHAEL ARENS' SOUL TRAIN - Your monthly Mag for Soul, Funk, RnB, Smooth Jazz & Urban Grooves

 

CD-BESPRECHUNGEN / CD-REVIEWS

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

CD-BESPRECHUNGEN / CD-REVIEWS

 

 

 

Barry Brown - Right Now (Reissue) (Greensleeves/VP Music Group/Groove Attack)

“Right Now” von Barry Brown ist die Neuauflage eines raren Reggae-Klassikers aus dem Jahre 1984. Das Album, dass seinerzeit in den legendären Channel One Studios in Kingston, Jamaika, aufgenommen wurde, ist eine Art populärer Geheimtip unter Roots-Reggae-Enthusiasten und kann bis heute beeindrucken und erdig den Pfad des Roots Reggae begehen ohne veraltet oder peinlich zu wirken. Barry Brown selbst verstarb 2004 und lieferte mit “Right Now“ nichts anderes als eines der öffentlichsten Geheimtips des zeitgenössischen Roots Reggae-Genres ab, dass alle Zutaten in sich birgt, die das Muttergenre braucht, aus einem durchschnittlichen Roots-Album ein Großartiges zu machen. Sagenhafte zehn Bonus Tracks veredeln die Expanded Edition des seinerzeit von Jah Screw produzierten, auch heute noch bescheiden wirkenden Paradebeispiels eines Roots Reggae-Albums. Barry Brown mit dem unvergleichlichen “Right Now“ - Big Up!

© Marco Steinbrink

UP

 

Arturo O’Farrill - The Noguchi Sessions (Zoho Music/New Music)

“The Noguchi Sessions” ist das erste Solo-Klavier-Album des kubanischstämmigen Pianisten Arturo O’Farrill (der SOUL TRAIN berichtete: ...weiter lesen›››). Das Album ist inspiriert vom japanisch-amerikanischen Bildhauer Isamu Noguchi und wurde im Noguchi Museum in Long Island, New York, eingespielt. Trotz O’Farrills starker Affinität zu frei interpretatorischem Jazz wandelt auch eine gesunde Portion Latin-Gefühl in der Seele der zwölf Titel, das der Klangfarbe des Albums einiges an Nachhaltigkeit aufdrückt. Das Werk ist zugleich zurückgenommen, ja fast sparsam in seiner Umsetzung und zeigt, dass gerade der zurückhaltende Umgang mit Inhalt durchaus Leben und Energie freisetzen kann ohne zu irritieren. Das umfangreiche, gut bebilderte Booklet des Ausnahmealbums, dass zugleich aber auch eine Auseinandersetzung mit den Inhalten einfordert, zeichnet detailliert Arturo O’Farrills Gedankenwelt und die Beziehungen zwischen dem Schaffen Noguchis und seiner Musik nach.

© Gregor Poschoreck

UP

 

Music For A While - Graces That Refrain (Grappa Musikforlag/Galileo MC)

In seiner fast magischen, sehr ruhigen, fließenden Art erinnert “Graces That Refrain”, das erneute Zusammentreffen der norwegischen Jazz-Elite mit der Sängerin Tora Augestad, oft mehr an die Alben der Sally Oldfield oder gar jener von Sinead O’Connor oder Enya als an ein klassisches Vocal Jazz-Set. Interpretiert werden hier insgesamt elf Titel klassischer Zeichnung, von Verdis “Ave Maria“ über Purcells “Hush, No More“ bis zu Schuberts “Der Leiermann“, um nur einige wenige zu nennen. Ein umfangreiches, sehr edel umgesetztes Booklet geht noch einmal ins inhaltliche Detail und offeriert obendrein alle Texte sowie sehr elegante und gelungene Fotos der Music For A While-Formation. Mystisch und ungewöhnlich, wunderschön und kristallklar, aber eben auch stringent und kontrolliert. Anspruchsvoll ist das dann tatsächlich, dieses “Graces That Refrain“.

© Gregor Poschoreck

UP

Thorbjørn Risager - Dust & Scratches (Cope Records)

Dreckig, erdig und wahrhaftig klingt das Album von Thorbjørn Risager, was so ziemlich der Thematik des Albumtitels entspricht. Blues aus den Tiefen des US-Amerikanischen Südens, Americana, Rock’n’Roll, Sixties Soul und Rhythm and Blues und sogar Honky Tonk vom allergemeinsten und feinsten reiht sich hier erdig und individuell aneinander und lässt überraschend aufhorchen, hält man sich vor Augen, dass Thorbjørn Risager und seine munter und geschlossen aufspielende Begleitband dänischer Herkunft sind – alleine das ein Grund, sich “Dust & Scratched“ anzutun. Auch die Bläsersätze wie beim urgewaltigen “Precious Time“ können überzeugen und verpassen dem Set erst den richtigen Nachdruck, der, so will es das Material im positivsten Sinne, ein Pottdreckiger, ein Sämiger, ein Schlammtrunkener ist, der gerade auf europäischer Ebene seinesgleichen suchen wird. Eine kleine, feiste Blues-Überraschung, dieses “Dust & Scratches“ von Thorbjørn Risager.

© Dr. Chuck

UP

 

Men Of North Country - The North (Acid Jazz Records)

Das Debütalbum der israelischen Sixties-Soul-Formation Men Of North Country um den DJ Yashiv Cohen klingt immer wieder wie eine Schnittmenge aus The Style Council, Phil Oakeys Stimme (Human League) und dem verschmitzten Schmiss eines Andy Williams gepaart mit authentischem Soul der Ära. Das liest sich nicht nur richtig lecker, das klingt auch so. Uptempo-Perlen jagen coole Midtempos, abstrakte Breaks mit Funk-Seele tauschen ihren Saft mit voluminösen und gestochen Scharfen Jazz Breaks und fluffigen Easy Listening Sounds, die mit Soul oft nur die Vocals gemein haben. Dass ausgerechnet “Mirror Man“, die Cover-Version des gleichnamigen Human League-Hits, einen der herausragendsten Momente des Albums in sich birgt verwundert da nur wenig. “The North“ der Men Of North Country ist fast magisches Black Music-Entertainment, dass sich nichts vorzuwerfen hat und eine immense Erwartungshaltung an alle folgenden Men Of North Country-Alben aufbaut.

© Michael Arens

UP

 

Livio Minafra 4et - Surprise!!! (Enja/Soulfood)

Ich weiß, dass ich mich auf dünnes Eis begebe, wen ich sage, dass es für mich bei “Surprise!!!“ vom Livio Minafra Quartett etwas mehr Struktur und Konzeption hätte sein dürfen. Freilich: die spielerische Qualität ist Pianist Minafra und seinen Mitstreitern, Saxofonist Gaetano Partipilo, Gitarrist Domenico Caliri und Percussionist Maurizio Lampugnani ist über alle Zweifel erhaben. Zugleich badet das Werk in interpretatorischem, zeitgenössischem Jazz und spielt die acht Livio Minafra-Kompositionen (ein Song stammt aus der Feder von Domenico Caliri) bravourös hintereinander, ohne Langeweile aufkommen zu lassen. Doch ein wenig Melodie, ein Hauch Harmonie und eine Spur roter Faden hätten den ansonsten fraglos exzellent eingespielten Stücken von “Surprise!!!“ sicher sehr gut getan. Fast scheint es so, als sei dem Livio Minafra 4et eher an einer ehrfürchtigen Verbeugung vor dem großen Namen ihrer Plattenfirma, dem legendären Enja Records-Label, gelegen. Die haben immerhin eine fast legendäre Geschichte in puristischem, zeitgenössischem Jazz und somit einen gewissen Ruf zu wahren… Freilich alles nur wilde Spekulation. Tatsächlich fügte Minafra und sein Quartett ihrem Albumtitel nicht umsonst gleich drei Ausrufungszeichen hinzu, um so deutlich auf die “Überraschung!!!“, die besonders in spielerischer Hinsicht gelungen sein dürfte, überdeutlich hinzuweisen. Kein leichter Stoff, dieses “Surprise!!!“!

© Holger S. Jansen

UP

 

Jazz Bigband Graz - Urban Folktales (ACT Music + Vision/edel:kultur)

Obwohl “Urban Folktales“ nur sechs Titel beinhaltet, ist doch gerade das symptomatisch für eine Jazz Big Band wie diese. Denn die 1998 vom Klarinettisten Sigi Feigl gegründete JBBG, wie die Jazz Big Band Graz kurzum genannt wird, begegnet in vielschichtigen Liederstrukturen hier diversen Kulturen des Planeten. Diese kommen beispielsweise vom Vietnamesen Nguyên Lê sowie durch eine Vielzahl weiterer großer Namen aus Jazz und Folk, aber auch aus weltumspannender Musik überhaupt wie etwa Star-Saxofonist Johannes Enders, festes Mitglied der Big Band, oder Sänger Theo Bleckmann oder dem italienischen Posaunisten Gianluca Petrella. Eng miteinander verwoben verschwimmen hier die Grenzen zwischen Jazz, Big Band, folkloristischer Weltmusik und mitunter aus klassischer Musik zu kommen scheinenden Strukturen zu einer überraschend homogenen, abwechslungsreichen Melasse, die zugleich spielerisch absolut präzise umgesetzt wurde. “Urban Folktales“ erzählt tatsächlich sehr schöne, eigenwillige und spannende Musik-Geschichten, die einmal nicht nach jedem Lied enden und neu beginnen, sondern vielmehr in bzw. durch die sechs Teile (Titel) eine Art strukturellen Unterbau gespielt bekommen, der eher helfen soll, sich das regelrechte Hörspiel im Kopf zurechtzurücken. Ein manchmal an die Ausläufer der Experimental-Musik grenzendes Werk voller spielerischer Brillanz und Brisanz, dass Freunde von etwas anderem Jazz als auch Folk-Fans und Freunde von Big Band Jazz klassischer Couleur gleichermaßen in seinen Bann zu ziehen vermag.

© Michael Arens

UP

 

Empirical - Elements Of Truth (Naim Jazz Records/Indigo)

“Post Bop” soll sich der Genremix angeblich nennen, den Empirical, britische Jazz-Formation Extraordinaire, machen. Ihr neuer Longplayer “Elements Of Truth“ ist, glaubt man der Presseinfo von Empiricals Plattenfirma, ihr bislang “künstlerisch reifstes und individuellstes“ Album. Bereits vor einigen Jahren erntete Empirical mit ihrem Erstlingswerk großes Lob und spielten sich in eine Ecke, in die ein Jazz-Quartett klassischer Zeichnung für gewöhnlich eigentlich gar nicht so recht will. Oder doch? Plötzlich waren auch Anhänger von Soul-Grooves, von zeitgenössischem Club-Vibe-Verständnis und versnobter Jazz-Puristik gleichermaßen entzückt. Ein weiterer Kommentar der Presseinfo trifft dann wohl am ehesten den Kern von “Elements Of Truth“: von “experimenteller Forschungsarbeit“ ist die Rede. Da schwimmt mal ein nordamerikanisches Rhythm and Blues-Gedächtnis der Zwanziger Jahre mit, da müssen Bausteine aus Bebop und Free Jazz immer mal wieder ihren Mann stehen, da werden krasse Breaks zur Detailverliebten, linksgedrehten, mitunter nah am Wahnsinn gelagerten Methode. “Elements Of Truth“ ist das dritte Album von Empirical und wird die zahlreichen Fans des Quartetts sicher in Verzücken versetzen. Wer jedoch nach einem konkreten roten Faden in den zehn Songs des lebhaften Sets sucht, wird wohl eher enttäuscht. Ob das gefällt, liegt im Auge bzw. Ohr des Betrachters. Ein forderndes Werk ist “Elements Of Truth“ allemal.

© Holger S. Jansen

UP

 

Wolfgang Muthspiel - Vienna Naked (Material Records/Harmonia Mundi)

Von einem “Liedzyklus” ist im neuen Album von Gitarrist Wolfgang Muthspiel die Rede, was den Kern der Sache äußerst präzise trifft. Auf der einen Seite bedeutet das, dass das ungewöhnlich klingende Set mit dieser bewussten und gewöhnlich charmanten, altmodischen Spielart durchaus potential hat, zu fesseln. Auf der anderen Seite klingt das Werk und immer wieder auch Mutshpiels Gesang nach Mittelalterlichem Minnegesang mit starkem Akustikgitarrenspiel der Gegenwart - eine echte Gratwanderung, die das Hören der poetischen und intensiven 14 Songs des selbstkomponierten und selbstproduzierten Werkes aber auch zu allem anderen als leichte Kost werden lassen. Es ist schon eine Ironie: so angenehm sparsam die Instrumentierung und so poetisch und schön die Texte auch sind, so viel Mühe sich Muthspiel auch gerade in Sachen Gesang gibt, so schwer und kopflastig wirkt das Werk. Das Album soll zugleich auch der erste Teil eines “größeren Projektes“ sein, dessen zweiter Teil eine “Dokumentation einer musikalischen Weltreise“ sein wird. Ob dieser Teil dann von Weltmusik fremdartiger Herkunft durchzogen sein wird, bleibt abzuwarten. Selbiges hätte jedoch “Vienna Naked“, dem konzeptionell durchaus interessanten Album von Wolfgang Muthspiel, sehr gut getan. So bleibt das eine oder andere Fragezeichen frei im Raum stehen.

© Holger S. Jansen

UP

 

Independent Jazz Quartet - Aigües Blances (Unisono Records/New Music)

Das Berliner Independent Jazz Quartet setzt sich aus Jürgen Scheele (Trompete), Rolf Römer (Saxofon), Lars Gühlke (Bass) und Ernst Bier (Schlagzeug und Percussion) zusammen. Eine der größten Auffälligkeiten des Quartetts, dessen Mitglieder durchweg Routiniers ihres Fach sind, die bis dato in unterschiedlichsten Formationen ihr Glück suchten, dürfte die Tatsache sein, dass auf Piano und Gitarre gänzlich verzichtet wurde und so neue kreative Wege gegangen wurden, die zehn Titel des Albums mit dem für Laien etwas schwierigen Titel “Aigües Blances“ (katalanisch für “weiße Wasser“) zu bebildern. Die selbstkomponierten Stücke, die durchweg als Live-Take eingespielt wurden, glänzen neben den zu erwartenden Anteilen an zeitgenössischem Jazz und Kanthaken aus Bebop mit folkloristischen Ausflügen, die, der Albumtitel lässt grüssen, auch spanischer sowie nordafrikanischer Herkunft sind. Freie Improvisation dürfte immer wieder das Stichwort des sehr lebendig aufspielenden Independent Jazz Quartets gewesen sein, was dem Album eine ganz eigene Stimmung gibt, die zumindest in den Spitzen dann auch mal mit Struktur, Nachvollziehbarkeit und Bodenhaftung punkten kann. “Aigües Blances“ ist sicher kein oberflächliches Standard-Jazz-Werk, das sich als Hintergrundmusik beim gemütlichen Abend am Kamin eignet. Wer aber ein konzeptionell fesselndes, forderndes Album mit interpretatorischem Überraschungsfaktor und folkloristischen Winkelzügen zu schätzen weiß, wird hier ohne wenn und aber voll auf seine Kosten kommen.

© Holger S. Jansen

UP

 

 

 

UP

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

UP

MICHAEL ARENS' SOUL TRAIN - Your monthly Mag for Soul, Funk, RnB, Smooth Jazz & Urban Grooves

 

Advertise in the SOUL TRAIN! Email to: soul@michaelarens.de!